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Versicherer reagieren mit Produktneuheiten auf Kritik
Mit einer Vielzahl von neuen Produkten und Konzepten versuchen Versicherungsunternehmen derzeit sowohl auf die aktuelle Zurückhaltung der Verbraucher bei Vertragsabschlüssen als auch auf Kritik von außen zu reagieren. In vielen Sparten gibt es mittlerweile Neuerungen, die deutlich flexibler sind als bislang herkömmliche Versicherungsprodukte. Einige Angebote schießen dabei allerdings auch über das Ziel hinaus.
Krisenzeiten haben auf jeden Fall einen Vorteil: Sie fördern die Kreativität. Dies gilt auch für die Versicherungswirtschaft, wie ein Beitrag von Elke Dolle-Helms in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Versicherungsmagazin" (Heft 8/2010, S. 28 - 31) aufzeigt. So hat etwa die Lebensversicherungsbranche mit der Entwicklung neuer Produkte darauf reagiert, dass die Verbraucher sich zunehmend scheuen, langfristige vertragliche Verpflichtungen einzugehen. Gleichzeitig arbeiten die Versicherer daran, den Kunden Fondsversicherungen wieder schmackhaft zu machen, indem sie eine Vielzahl neuer Hybridprodukte auf den Markt gebracht haben. Neu sind insbesondere die sogenannten "3-Topf-Hybridversicherungen", bei denen das Guthaben der Kunden auf den Deckungsstock des Versicherers, den Garantiefonds und auf freie Fonds verteilt wird, um so die Anlagestrategie schneller an Marktschwankungen anpassen und eine bessere Rendite erzielen zu können. Dies eignet sich insbesondere für Verträge mit laufenden Beiträgen. Für Lebensversicherungen mit Einmalzahlungen gibt es dagegen Neuerungen wie einen automatischen Guthabenschutz, bei dem automatisch in sichere Anlagen umgeschichtet wird, wenn eine fünfprozentige Rendite auf die eingezahlten Beiträge erreicht wurde. Angeboten werden jetzt auch Risikolebensversicherungen, die von den Versicherten ständig verändert werden können, sowohl in Bezug auf die Bezugsberechtigten als auch bei den Beiträgen.
Mitunter gibt es allerdings auch Neuerungen, die wenig sinnvoll sind, wie das Aufbauschen von kleinteiligen Riesterverträgen mit Indexpartizipation und einem komplizierten Glättungsverfahren bei der Wertentwicklung. Ein anderes Beispiel: Eine Lebensversicherung, die dazu dient, steigende Gesundheitskosten im Alter abzusichern und damit praktisch die Entwicklung der Krankenversicherung absichert.
Eine Reaktion auf die Kritik an der Versicherungswirtschaft stellen dagegen Lebensversicherungen gegen Einmalbeitrag dar, die höhere Monatsrenten vorsehen, wenn der Versicherte eine ärztliche Bescheinigung vorlegen kann, dass er eine geringere Lebenserwartung hat als ein gesunder Mensch. Auch bei der Berufsunfähigkeitsversicherung gibt es Neuerungen, die auf die Kritik reagieren, dass gerade diejenigen keinen Schutz bekommen, die ihn am Nötigsten brauchen. Das Konzept geht von einem völlig anderen Invaliditätsbegriff als bisher aus und versichert die Funktionsbeeinträchtigung einzelner Organe. Nicht versicherbar sind dabei allerdings Allergien und psychische Leiden als Ursache für die Berufsunfähigkeit, dafür ist die Gesundheitsprüfung vor Vertragsabschluss deutlich weniger umfassend.
In der Pflegeversicherung gibt es ebenfalls neue Produkte, die unter anderem die starren Pflegestufen durch eine Anpassung der Pflegerente in 5 %-Schritten ablösen und erweiterte Assistance-Angebote - auch für die Angehörigen - bieten. In der Sachversicherung profilieren sich einige Versicherungsunternehmen insbesondere mit neuen Konzepten bei der Versicherung von Anlagen zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien. Auch die Rechtsschutzversicherer setzen auf neue Konzepte, indem sie verstärkt Mediationsverfahren anbieten oder den "Anwalt auf Rädern", der die Kunden auch im Krankenhaus oder Pflegeheim besucht.
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